women's health

Informationen

Das Interview mit Anita Fetz führte die Tagungsorganisation des Frauengesundheitsgipfels im Auftrag von Merck Sharp & Dohme-Chibret AG (MSD).
[ Zürich, November 2010 ]

 

Die Medienmitteilung zum Herunterladen finden Sie hier: [PDF]

AktuellesFrauengesundheit

Frauengesundheit im geplanten Präventionsgesetz

Ständerätin und Tagungspräsidentin Anita Fetz zum geplanten Bundesgesetz über Prävention und Gesundheitsförderung (Präventionsgesetz)

Frau Fetz, was genau bezweckt das Präventionsgesetz?

Unser Gesundheitswesen ist v. a. auf die behandelnde Medizin ausgerichtet, d. h. es ist ein Krankheitswesen. Es ist höchste Zeit, dass die Politik der Prävention, der Gesundheitsförderung und der Früherkennung von Krankheiten mehr Aufmerksamkeit schenkt. Die Grundlage dafür bildet das Präventionsgesetz.

Weshalb setzen Sie sich persönlich dafür ein?

Weil mir die Vorsorge ein grosses Anliegen ist. Es ist wichtig, dass die Menschen Gesundheitskompetenzen erhalten, mit denen sie sich selbst bis ins hohe Alter fit halten können. Denn es ist ja der Traum von uns allen, möglichst lange selbständig leben zu können.

Welche Punkte des Gesetzesentwurfes liegen Ihnen besonders am Herzen?

Die achtjährige nationale Strategie erlaubt es, dass alle Gesundheitsakteure ihre Präventionsprogramme konzentriert auf die häufigsten Krankheiten ausrichten und dafür gezielt und vertieft auf die vielen unterschiedlichen Zielgruppen abstimmen können. Wichtig finde ich ausserdem, dass auch die psychischen Krankheiten endlich einen angemessenen Stellenwert bekommen. Heute leiden immer mehr Menschen, insbesondere auch Frauen, unter Depressionen und Angststörungen.

Gibt es auch Punkte, die Sie eher kritisch betrachten?

Ich sehe die Gefahr, dass das Thema Prävention isoliert von anderen Politikfeldern betrachtet wird. Die sozialen Rahmenbedingungen, in denen die Menschen leben, sind ebenso wichtig. Wir wissen heute, dass Armut krank macht. Oder dass Alleinerziehende vielen Stressoren ausgesetzt sind, die krank machen können. Oder ein anderer Aspekt: Wenn in den Schulen beim Hauswirtschaftsunterricht, beim Sport und beim Musikunterricht gespart wird, dann wird unsere Gesellschaft das später büssen, denn immer weniger Jugendliche werden lernen, wie man durch Freude, Vergnügen und Lebenslust ein gesundes Leben führen kann.

Neben der Regulierung von Kompetenz- und Strukturfragen auf Bundes- und Kantonsebene verlangt das Präventionsgesetz alle acht Jahre neue Zielformulierungen bzw. eine Fokussierung auf bestimmte Krankheiten. In welchen Bereichen der Frauengesundheit sehen Sie dabei Handlungsbedarf?

Die häufigste Todesursache bei Frauen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen(39%), gefolgt von Krebserkrankungen (22%). Das ist zwar nicht vollkommen anders als bei Männern (33% bzw. 30%). Unterschiedlich sind jedoch die Symptome und teilweise auch die Auslöser. Genau das gilt es bei den Präventionsprogrammen zu berücksichtigen. Es müssen konsequent zielgruppenorientierte Programme entwickelt werden, die auch die unterschiedlichen Lebensumstände der Frauen berücksichtigen.

Wo steht die Schweiz zurzeit betreffend frauenspezifische Gesundheitsförderung und Prävention im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?

Leider stecken diese noch in den Kinderschuhen. Es gibt zwar kleinere Projekte, doch wir können noch einiges von unseren Nachbarländern lernen. Ein paar gute Beispiele werden ja am Frauengesundheitsgipfel vom 23. November 2010 vorgestellt. Darauf freue ich mich sehr.